Alltag

Ich bin momentan schon dreieinhalb Wochen hier. Mittlerweile habe ich mich in den Schulalltag eingelebt und kenne die Abläufe. Auch wenn ich noch lange nicht alles gesehen und erlebt habe, was das Land bietet, hat sich trotzdem alles etwas normalisiert. Wenn ich auf die vergangenen dreieinhalb Wochen zurück schaue, sind das sehr gemischte Gefühle. Einerseits kann ich mich aufgrund der Intensivität und der Aufregung noch genau an meinen Abflug aus Deutschland und meine ersten Tage in Siem Reap erinnern, so dass sich die Zeit hier extrem kurz anfühlt. Auf der anderen Seite habe ich hier so viel neues erlebt und gesehen, dass mir die Zeit wie eine Ewigkeit vorkommt. Jedenfalls eine sehr aufregende Zeit für mich.  

Aber jetzt zu meinem eigentlich Thema in diesem Eintrag: Mein Alltag während der Arbeitszeit sieht so aus, dass ich jeden Morgen um 6:50 Uhr aufstehe und zum Frühstück gehe. Dort treffe ich um diese Zeit immer die anderen volonteer, mit denen ich zusammen an unserem Stammtisch esse. Nach dem Frühstück fahre ich zusammen mit zwei anderen volonteer, die im gleichen Projekt arbeiten, zur Schule von Children´s Dream e.V.. Der Weg ist nicht weit. Deshalb fahren wir mit dem Fahrrad. Schnell geht es aber auch nicht, weil der Verkehr so unübersichtlich und verrückt ist, dass alle nur sehr langsam fahren können. Während meinen ersten Tagen war es für mich immer eine Herausforderung die Straße zu überqueren. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt und gehe einfach. Um 8 Uhr kommen wir dann meistens an der Schule an, wo ich direkt anfange, den Raum des Kindergartens einmal durch zu fegen. Das ist jeden Tag notwendig, da durch das Klima immer viel Staub entsteht, der sich am Boden absetzt. Jeden Freitag nachmittag nehmen wir uns als Lehrer deswegen auch Zeit, um das komplette Gebäude und den Hof zu putzen. 

Je nachdem ob ich gerade Sport- oder Englischunterricht gebe oder im Kindergarten bin, geht der Tag dann weiter. Im Kindergarten beginnen wir damit, dass wir im Kreis sitzen und zusammen singen. Danach machen wir damit weiter, den Kindern eher auf spielerische Weise Englisch bei zu bringen. Abgesehen davon, dass wir sowieso immer auf Englisch mit den Kindern reden, lernen wir momentan die Buchstaben von A-Z. Dabei unterscheiden sich auch alle Tage voneinander, da wir die Tage in Sport-, Musik, Kunst und Sciencetage unterteilt haben. Im Anschluss daran spielen wir entweder drinnen oder draußen mit den Kindern. 

Nach der vierstündigen Pause von 10 bis 14 Uhr, während kein Betrieb im Kindergarten und in der Schule ist, verändert sich vom Ablauf nicht soviel im Vergleich zum Morgen. Jedoch mache ich dann fast jeden Tag von 16 bis 17 Uhr English mit der beginnerclass. Dabei arbeiten wir in einem Arbeitsheft, und ich bereite “basic phrases” vor, die die Jugendlichen mit mir zusammen lernen und üben. Wenn ich diesen Kurs nicht habe, dann nur, weil ich Sportunterricht gebe. Dort spielen wir momentan Fußball und Volleyball. 

Kommentare

  1. I. Hauser 19. Mai 2017 um 17:16

    LY, Deine letzte Info ist ja Klasse, hätt ich nicht von Dir erwartet Du musst unbedingt öfter schreiben und vor allem so instruktiv. Danke!!!
    LG Uro

  2. Katja 19. Mai 2017 um 20:44

    Lieber Yannik,
    Danke, für die tolle Beschreibung deines Alltags. Ich kann mir ein richtiges Bild davon machen und mich in Dich hineinversetzen.
    Katja

  3. B. Steinberg 20. Mai 2017 um 15:19

    Lieber Yannik,
    die ausführlichen Beschreibungen lassen uns eintauchen in Deinen Alltag, vielen Dank. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die Du im Bildungszentrum “Children’s Dream Siem Reap” ausübst. Sport-, Musik, Kunst und Sciencetage sind eine sehr gute Mischung. Basiert Deine Arbeit auf einem vorgegebenem Stundenplan? Habt ihr volonteers Besprechungen mit den anderen Lehrenden? Und wie reagieren unterdessen die Kinder auf Dich, wie sprechen sie Dich an?
    Du machst alles so gut, wir denken an Dich, besonders heute, nachdem Du bereits einen Monat in Siem Reap bist, LG, O-B & R

    • yannik 27. Mai 2017 um 7:50

      @B.Steinberg Ja, für mich wurde im Vorfeld geguckt, was ich machen kann und wo ich gebraucht werde und dementsprechend wurde für mich dann ein Stundenplan entworfen. Wir haben als Lehrer einmal im Monat ein Meeting, bei dem alle wichtigen Themen angesprochen und geklärt werden. Wenn man aber auch sonst irgenwie Redebedarf hat, dann kann man das alles sehr direkt, auch unabhängig vom Meeting besprechen. Es macht mir Spaß, mit den Kindern hier zu arbeiten und für sie bin ich Yannik. Sie sagen zwar teilweise auch “teacher” zu mir, aber sie reden mich jetzt nicht mit “Mr” oder meinem Nachnamen an. Das will ich auch selber nicht.

  4. B. Steinberg 1. Juni 2017 um 16:37

    Lieber Yannik,
    heute ist Kindertag! Und nach meinen Recherchen wird er auch in Kambodscha gefeiert, sogar als Feiertag begangen, ist das so? Durch die Initiative „Children’s Dream e.V.” wird so viel für die Kinder getan und sicherlich feiert Ihr mit “Euren” Kindern.
    Wir hoffen, Dir großem Kind geht es gut. LG, O-B&R

    • yannik 16. Juni 2017 um 13:52

      @B. Steinberg Ja, hier in Kambodscha feiern wir auch den Kindertag. Ich weiß jetzt nicht, ob das auch staatliche Schulen betrifft, aber bei uns in der Schule war der Kindertag sogar ein Feiertag, an dem wir alle frei hatten.

  5. Jenny H 14. Juni 2017 um 18:48

    Lieber Yannik, oh man, ich habe erst jetzt die Adresse von Deinem Blog bekommen. Die Beitraege finde ich einfach toll. Und das mit dem Verkehr kann ich voll nachempfinden. Einfach losgehen war auch mein Motto in Vietnam. Ich glaube man koennte auch mit verbundenen Augen ueber diese Strassen gehen und trotzdem heil auf der anderen Seite ankommen. Wie ich sehe erlebst Du ja total viel und findest es spannend und aufregend. Das freut mich. Und wie ich sehe hast Du auch die obligatorischen Magenprobleme. Ich finde das ist nur halb so schlimm wenn man so viel erlebt dafuer. Kleiner Preis. Ganz liebe Gruesse! Jenny

    • yannik 16. Juni 2017 um 13:50

      @Jenny H Du hast sehr recht mit dem was du sagst, der Straßenverkehr ist zwar unübersichtlich, aber meistens achten dafür alle auf einander. Die Magenprobleme waren wirklich nicht schlimm, wenn ich bedenke was ich hier dafür alles sehen und erleben konnte. Ich freu mich dich hier auf meiner Seite zu sehen und liebe Grüße auch an Dich. yannik

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